Neurodermitis – Was ist das?

Unter Neurodermitis, in Fachkreisen auch häufig als „Atopisches Ekzem“ oder „Atopische Dermatitis“ bezeichnet, versteht man eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche Erkrankung der Haut.

Im Folgenden lesen Sie zahlreiche Details & Tipps rund um das Thema Neurodermitis und erfahren zudem, wie ATOPICLAIR Ihnen und Ihrem Kind das Leben mit der Krankheit erleichtern kann.

Fakten zur atopischen Dermatits:
Häufigkeit, Symptome und Ursachen

Zahlen & Fakten zur Neurodermitis

Besonders häufig tritt das atopische Ekzem dabei bereits im (frühen) Kindesalter erstmalig auf, europaweit ist etwa jedes 7. bis 8. Klein- oder Vorschulkind betroffen:

  • ca. 60% der Patienten erleiden den ersten Neurodermitis-Schub im ersten Lebensjahr.
  • bis zu 85% der Patienten zeigen erste Symptome noch vor dem 5. Lebensjahr

Dabei verschwindet die Krankheit häufig während des Heranwachsens: So sind etwa 60% aller Betroffenen bis zum jungen Erwachsenenalter symptomfrei. Dennoch sind heute allein in Deutschland schätzungsweise bis zu 3% der Erwachsenen zumindest zeitweilig betroffen.

Vieles deutet darauf hin, dass die Schwere des erstens Schubes, das Alter bei dessen Auftreten und das Vorhandensein weiterer atopischer Krankheiten (vor allem Heuschnupfen & Asthma bronchiale) die Chance auf eine fortwährende Erkrankung im Erwachsenenalter erhöhen.

Das atopische Ekzem verschwindet häufig spontan während der Kindheit. Von 10 Kindern mit Symptomen der Neurodermitis im Alter von 2 Jahren sind im Alter von 7 Jahren:

  • 6 Kinder geheilt
  • 2 Kinder haben gelegentlich Symptome
  • 2 Kinder haben dauerhafte Symptome

Symptome und Auswirkungen der Neurodermitis

Die Mehrheit der Patienten leiden unter einer milden oder mittelschweren Form der Krankheit. Oftmals treten Symptome wie starker Juckreiz oder Brennen auf der Haut auf, auch stark gerötete, schuppende Ekzeme und sehr trockene Hautzustände können Anzeichen für das atopische Ekzem sein. Üblicherweise treten die Symptome dieser Dermatitis unregelmäßig und schubweise auf.

Die gereizten Regionen unterscheiden sich häufig je nach Alter des Patienten:

Bei Babys & Kleinkindern zwischen 0 und 2 Jahren sind meist Gesicht, Kopfhaut und Streckbereiche betroffen. Mit zunehmendem Alter verlagert sich dies immer weiter in Richtung der Hautfalten (Nacken, Ellbogen, Knie) und der Extremitäten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wiederum sind in den meisten Fällen besonders der Nacken und erneut das Gesicht von der Neurodermitis betroffen.

Neurodermitis Bei Babys
& Kindern bis zu 2 Jahren

Schema der betroffenen Regionen bei Neurodermitis bei Babys

Besonders betroffen:
Erhabene Hautpartien auf Gesicht und Extremitäten

Neurodermitis Bei
Kindern über 2 Jahren

Neurodermitis bei Kindern

Besonders betroffen:
Hautfalten an Nacken, Ellenbogen, Knie; weiterhin an Händen, Hand- und Fußgelenken

Neurodermitis Bei
Teenagern & Erwachsenen

Atopische Dermatitis bei Erwachsenen: Typische betroffene Regionen

Besonders betroffen:
Gesicht und Nacken

Neben den oben genannten Merkmalen hat eine Erkrankung häufig auch einen großen Einfluss auf das Alltagsleben, sowohl auf jenes der betroffenen Kinder und Erwachsenen, als auch auf das der Eltern an Neurodermitis erkrankter Kinder:

  • Schlaflosigkeit
  • Soziale Ausgrenzung (hauptsächlich unter Kindern)
  • Begrenzter Kontakt zu Haustieren
  • Einschränkungen bei Aktivität wie z.B. Schwimmen
  • Notwendigkeit einer kontrollierten Diät / Verzicht auf bestimmte Lebensmittel

Mögliche Ursachen für Neurodermitis

Die genauen Ursachen der Atopischen Dermatitis sind bis heute nicht völlig klar; allerdings deutet vieles darauf hin, dass die Erkrankung zumindest zum Teil genetisch bedingt ist:

  • Eineiige Zwillinge zeigen häufig beide ähnliche oder identische Symptome (ca. 75% Konkordanz)
  • Die Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung liegt bei 60-80%, wenn beide Eltern ebenfalls erkrankt waren.
  • Zahlreiche bereits beschriebene Mutationen in Genen von Barriereproteinen sowie Teilen des adaptiven und ererbten Immunsystems sind mit einem erhöhten Risiko für Neurodermitis in Verbindung gebracht worden.

Zudem können äußere Einflüsse, insbesondere Allergene, das Auftreten oder die Intensität von Neurodermitis-Schüben fördern. Bis heute sind die genauen Mechanismen, welche zum Ausbruch der Neurodermitis führen, Gegenstand zahlreicher Studien weltweit.

Andererseits ist auch das Zusammenspiel zahlreicher Veranlagungen und äußeren Einflüssen keine Garantie dafür, dass jemand an einer Neurodermitis erkrankt.

Vermeiden Sie Folgendes:

Bei der Hygiene
  • Waschen mit zu heißem Wasser
  • Seifen, Waschmittel, Parfüme und Kosmetika,
    die die Haut reizen können
Generell
  • Kleidungsstücke aus Wolle und synthetischen Fasern
  • Übermäßigen Kontakt mit Staub, Pollen,
    Milben, Schimmel, Sand oder anderen Partikeln,
    die die Haut reizen
  • Kontakt zu Tieren
  • Nahrungsmittel mit bekanntem Allergiepotenzial
  • Übermäßiges Schwitzen

Alltagstipps und Behandlungsmöglichkeiten der Neurodermitis

Die Ausprägungen der Symptome von Neurodermitis können sich stark unterscheiden und die Auslöser sind bis heute nicht vollständig geklärt. Somit fällt eine verlässliche Diagnose der Erkrankung häufig schwer. Generell gilt: Haben Sie den Verdacht, dass Sie, Ihr Kind oder Ihr Baby an Neurodermitis erkrankt sind, sollte der erste Weg zu Ihrem Hautarzt (Dermatologen) führen. Dieser begleitet dann den weiteren Weg und arbeitet, je nach Patient, einen individuellen Plan zur Behandlung aus.

Der Arzt wird im Verdachtsfall gegebenenfalls zwei Hinweisen nachgehen: Zum einen, ob es sich bei der Hautreizung überhaupt um eine Neurodermitis handelt, zum anderen, welche Faktoren zur Hautreizung führen. Das können, wie oben beschrieben, verschiedenste Allergene oder Auslöser sein.

Alltagstipps bei Neurodermitis

Gerade im Zeitalter des Internets wird man als Patient (oder dessen Eltern) regelrecht mit gut gemeinten Tipps überschüttet, die gegen den Juckreiz, das Brennen oder ganz allgemein gegen das Auftreten eines Neurodermitis-Schubes helfen sollen.
Je nach Patient schlagen die einen oder anderen Hausmittel mal besser und mal schlechter an – auch hier ist es wieder von Person zu Person unterschiedlich.

Es gibt nur wenige allgemeingültige Tipps, die in erster Linie darauf abzielen, die Ursachen eines neuen Schubes zu bekämpfen bzw, die Zeiten zwischen den Schüben zu verlängern: Die gestörte Hautbarriere wiederherstellen und auslösenden Reizfaktoren mindern.

Im Folgenden erläutern wir die häufigsten / meistgenannten Tipps rund um das Thema Neurodermitis und beleuchten die zugrunde liegenden Mechanismen etwas ausführlicher:

Was hilft?

Bei der Hygiene
  • Ideale Wassertemperatur 32-35°C, besser duschen als baden
  • Verwendung von seifenfreiem Waschgel
  • Direkt nach dem Duschen feuchtigkeitsspendende, parfümfreie Körperlotion auftragen
Generell
  • Vorzugsweise Kleidungsstücke aus Baumwolle tragen
  • Kurze Fingernägel

Tipps zur Hautpflege

Die Haut hat von Natur aus einen sogenannten Säureschutzmantel (Hydrolipidmantel), der in erster Linie aus Schweißrückständen, Talg und Wasser besteht. Dieser Schutzmantel ist wichtig, um das sogenannte Mikrobiom (die Gesamtzahl an Mikroorganismen wie z.B. Bakterien, die auf der Haut leben) im Gleichgewicht zu halten. Ein gesunder Mantel verhindert die übermäßige Verbreitung von krankmachenden Organismen und unterstützt gleichzeitig schützende Bakterien beim Wachstum. So stellt er die erste Barriere dar.

Der Säureschutzmantel der Haut hat, wie sein Name schon andeutet, einen sauren pH-Wert zwischen 4 und 6. Genau dieser Umstand führt zu einem der häufigsten Tipps im Zusammenhang mit Neurodermitis: Dem Verzicht auf Seife.
Seifen haben einen sehr hohen pH-Wert (auch „basisch“ genannt“), der den sauren pH-Wert der Haut aufhebt. Gesunde Haut ist dabei in der Lage, diesen Umstand in kurzer Zeit zu korrigieren – angegriffene Haut, wie im Falle einer Neurodermitis, allerdings nicht oder nur langsamer. Ebenso kann zu häufiges Waschen diesen Schutzmantel schwächen.

Auch die regelmäßige Anwendung einer Creme oder Lotion ist extrem wichtig. Die Haut benötigt eine intensive Pflege, die effektiv dem Feuchtigkeitsverlust entgegenwirkt und hauteigene Lipide zuführt. Auf Duftstoffe und andere Reizstoffe sollte in den Pflegeprodukten völlig verzichtet werden.

Ein Überschuss an Schweiß verschiebt das Gleichgewicht wegen des hohen Salzanteils in Richtung sauer, was ebenfalls zu Problemen führen kann:
Durch entstehende Ungleichgewichte können sich verschiedenste Bakterien verstärkt ausbreiten wie beispielsweise das Bakterium Staphylococcus aureus.

Tipps zur Vermeidung von Reizfaktoren

Vieles deutet darauf hin, dass ein Neurodermitis Schub durch verschiedenste Allergene (Stoffe, auf die unser Immunsystem reagiert, da sie als „fremd“ erkannt werden) ausgelöst werden kann. Daraus ergibt sich eine naheliegende Annahme: Vermeidet man eine übermäßige Menge an bekannten Allergenen, kann dies präventiv wirken und neue Schübe hinauszögern.
Diese Stoffe lassen sich grob in zwei Klassen unterteilen: Allergene, die direkt die Haut reizen oder solche, die im Körper eine Reaktion auslösen.

Zur hautreizenden Gruppe gehören einige absolute Klassiker der Allergene: Hausstaubmilben und Tierhaare. Eine möglichst staubfreie Wohnung ist daher empfehlenswert, ebenso scheint der Verzicht auf langhaarige Tiere einen positiven Effekt für den Patienten zu haben.

Zudem sollten hautreizende Stoffe wie Sand oder einige Kunstfasern (besser: Kleidung aus Baumwolle) vermieden werden; Sie können der ohnehin schon angegriffenen Haut schaden und somit indirekt zu neuen Schüben führen

Die zweite Gruppe der Allergene besteht vor allem aus Nahrungsmitteln. Diese können entweder im Körper durch Abbauprodukte oder aber bereits an den Schleimhäuten, z.B. im Mund, zu allergischen Reaktionen führen. Da es eine Vielzahl von Lebensmittel-Unverträglichkeiten gibt, empfiehlt es sich bei Verdacht, einen Allergietest beim Arzt durchführen zu lassen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Neurodermitis

Auch wenn das Atopische Ekzem als nicht heilbar gilt, lässt es sich doch mit einer Mischung verschiedenster Maßnahmen gut behandeln. Dabei wird sowohl die Wiederherstellung der Hautbarriere, als auch die Behandlung der Symptome eines Schubes sowie die Vermeidung der auslösenden Faktoren angestrebt:

Basispflege mit Feuchthaltefaktoren und Lipiden

Zur Basispflege angegriffener, trockener und / oder rauer Haut eignen sich besonders sogenannte Emollienzien. Hierbei handelt es sich um Pflegemittel, die die Haut mit Feuchtigkeit und Lipiden (Fettsubstanzen) versorgen. Ein Emollienz dient dazu der Haut Geschmeidigkeit zurückzugeben. Dies geschieht dadurch, dass durch Feuchthaltefaktoren Wasser in der Hornschicht gehalten wird und durch Lipidsubstanzen die Räume zwischen den Hornzellen gefüllt werden, wodurch der Zusammenhalt zwischen den Zellen gestärkt wird..

Eine gesunde Haut verliert weniger Wasser; somit sorgen die Feuchthaltefaktoren in den Emollienzien nicht, wie der Begriff andeutet, für einen Zuwachs an Feuchtigkeit, sondern für eine Verminderung des Wasserverlustes.
Eine aktuelle Studie (Glatz et al., 2018) stellt eine Verbindung zwischen der Verwendung solcher Emollienzien und einem vorteilhaften Mikrobiom (Gesamtheit, Aufteilung und Menge der Mikroorganismen auf der Haut) her. Demnach basiert der präventive Effekt solcher Mittel offenbar nicht nur auf dem Schutz vor Austrocknung der Haut, sondern auch auf der Bereitstellung eines guten Wachstums-Milieus für schützende Bakterien bzw. schlechtere Bedingungen für schädliche Organismen.

Der Vorteil einer solchen Basis-Pflege liegt auf der Hand: Durch regelmäßige Anwendung kann die geschädigte Haut Stück für Stück ihre Funktion wiederherstellen, den Wasserverlust minimieren und somit wieder als intakte Barriere wirken. So wird zum einen das unangenehme Gefühl geschädigter Haut gemindert, zum anderen können neue Neurodermitis-Schübe auf diese Weise hinausgezögert werden.
Der Nachteil solcher Mittel besteht allerdings darin, dass sie meist keine Inhaltsstoffe enthalten, die im Falle eines Schubes die akuten Symptome ausreichend lindern können.

Therapeutische Lotionen und Pflegemittel

Es gibt verschiedenste Ansätze, um die Symptome eines Neurodermitis-Schubes zu behandeln, abhängig auch von der Schwere der aufgetretenen Reizungen. Ein wirksames Mittel ist dabei Cortison (genaugenommen davon abgewandelte Kortikosteroide). Dieser Stoff kann auch bei schweren Symptomen schnell eine Linderung erzielen, eignet sich aber aufgrund häufiger, teils schwerer Nebenwirkungen bei dauerhafter Aufnahme nicht für einen längeren Zeitraum.
Auch wenn sich die Forschung in diesem Bereich stetig weiterentwickelt, sind einige der unerwünschten möglichen Nebenwirkungen bei einer Langzeitanwendung schlicht auf die Wirkungsweise des Moleküls zurückzuführen und daher noch unumgänglich. Gerade bei der Therapie von Babys und Kleinkindern versuchen daher viele Ärzte, auf den Einsatz von Kortikosteroiden zu verzichten.

Aus diesem Grund entwickelt sich eine zunehmende Anzahl an alternativen Therapie-Ansätzen in Form von Cremes, wie ATOPICLAIR und Lotionen. Viele dieser alternativen Cremes und Lotionen eignen sich nicht nur zur Therapie während eines Schubes, sondern auch zur Basis-Pflege zwischen den Schüben.